Wort auf dem Weg


Lukas 17, 7 – 10
Liebe Leser,
Jesus hat immer wieder Vergleiche gebracht, die die Nachfolge deutlich machen.  Er hat Menschen  in seine Nachfolge gerufen und berufen. Menschen, die sich an ihn halten sollen und es ihm nachmachen sollen. Auch als er nach seiner Auferstehung nicht mehr sichtbar unter ihnen war, hat er seine Jünger durch den Heiligen Geist beauftragt und begabt. Der Apostel Paulus hat seine Erfahrung an die Gemeinden weiter gegeben. Das war vor 2000 Jahren. Was ist geblieben von der Nachfolge und wie haben sich die Vergleiche verändert?
Nachfolge im Glauben geschieht immer in enger Bindung zu Jesus. Aber wie können wir das heute deutlich machen.  Und wie hat Jesus damals deutlich gemacht, worauf es bei der Nachfolge ankommt?
Bevor ich den heutigen BibelText lese eine Frage: Welche Vergleiche oder auch Bezeichnungen fallen uns ein, wenn es um die Nachfolge geht?
“Stellt euch vor, jemand von euch hat einen Sklaven und der kommt vom Pflügen oder Schafehüten nach Hause. Wird er wohl gleich als erstes zu ihm sagen: ‘Bitte, komm und setz dich zu Tisch’? Gewiss nicht! Er wird ihm sagen: ‘Mach mir das Essen fertig, binde dir die Schürze um, und bediene mich bei Tisch! Wenn ich fertig bin, kannst du auch essen und trinken.’ Wird er sich etwa bei dem Sklaven bedanken, weil der getan hat, was ihm befohlen war? So ist es auch mit euch. Wenn ihr alles getan habt, was Gott euch befohlen hat, dann sagt: ‘Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur getan, was uns aufgetragen war.’”
Ein starkes Stück Text, eine schockierende Geschichte, die wir heute als Ptext haben.
Dieser Text ist keine freundliche Einladung zum „lieben Gott“.
Aber den gibt es wohl auch mehr in unserer Wunschvorstellung, als in Wirklichkeit.  -  Dieser Text ärgert uns, euch, wie mich.
Da schuftet dieser Sklave schon den ganzen Tag auf dem Feld und beim Schafehüten, und dann geht es zu Hause gleich weiter.  „Der gönnt einem auch gar nichts,“  kommt einem da in den Sinn.  Unseren Ärger über diese Stelle können wir noch etwas fortsetzen, oder  wir klappen die Bibel zu und gehen nach Hause. Wäre doch auch mal etwas, Da passt uns ein Wort der Bibel nicht und wir schlagen sie zu und lassen Gott einfach stehen.
Aber braucht es dazu erst so einen drastischen Text. Machen das nicht immer wieder auch Menschen, wenn von der überfließenden Liebe Gottes die Rede ist, wenn er als der Barmherzige beschrieben wird, wenn ER sich so ganz hingibt und uns Menschen hinterherläuft. In unserem Text ist der Mensch aufgefordert, Gott einmal hinter her zu laufen, und das mit aller Konsequenz.
Etwas anstößiges bleibt bei diesem Text. Ob wir ihm auf die Spur kommen, wo er unser Leben trifft? Etwas anstößiges bei Gott ist wohl auch gut. Denn ein Gott, der nicht mehr anstößig ist, wird ganz schnell zu kuschelig, zu rund und passend gemacht für unsere Vorstellungen. Ein Gott, der sich in unsere Vorstellungen schnell einpassen muss, fordert uns nicht mehr heraus. Dann ist er wirklich nur noch die Projektion eines Wunsches.
Was könnte an  dieser Aussage vom Knecht dann doch das Positive sein, frage ich mich? Irgendwie muss es doch eine positive Pointe haben?
Ich beginne einmal damit, mich in die Situation dieser  Zeit zu versetzen, in der der Text entstanden ist.
Jesus hat diese Gegebenheit als Beispiel genommen und keineswegs Sklavenhalter legitimiert, unmenschlich mit Sklaven umzugehen, bzw. sie für Zeit und Ewigkeit zu akzeptieren.  Jegliche Anwendung von  Unterdrückung ist gefährlich, lebenszerstörend und nie im Sinne Gottes. Das kommt mir auch  so nicht aus dem Gesamtzeugnis der Bibel entgegen. Ich frage umso mehr, was will dieser Text, bei dem sich doch erst einmal die Nackenhaare wölben?
Hätte Jesus überhaupt nicht an einem anderen Beispiel deutlich machen können, worum es ihm geht?  Nun, worum mag es ihm denn in diesem Text überhaupt  gehen?
Wie waren die Arbeitsverhältnisse des NT´s?  Es  gab in Israel viele Menschen, die für sich selbst sorgen mussten. Sie waren ganz auf  sich gestellt. KleinBauern und Handwerker, die in ihrem Familienbetrieb meist nur das Nötigste zum Leben aufbrachten.   Ihnen hat zwar niemand reingeredet, aber sie waren auch ganz allein von dem abhängig, was sie selbst  erwirtschafteten. Das setzte eine harte Arbeit voraus.
Dann gab es Tagelöhner, aber die waren noch viel schlimmer dran, denn sie hatten keine feste Anstellung und keine Arbeitsmittel.  Zeitarbeiter für einen Tag, früh ging es los, und abends war die Anstellung vorbei. Erkrankte der Tagelöhner, hatte der Arbeitgeber keinerlei Verantwortlichkeiten, im Gegensatz zu dem Knecht, denn für den hatte er ja richtig bezahlt. Der Arbeitgeber war interessiert, dass er mit seiner Arbeitskraft so lang wie möglich da war. Selbst bei einem „krank“, wurde er versorgt. Das mag sicher auch seine Grenzen gehabt haben, aber er hatte eine feste Arbeitsadresse. Er kannte sich im Betrieb aus und war dadurch wichtig und erhielt eine gewisse Grundversorgung.
Im Lk.evangelium steht diese Geschichte auch in einem bestimmten Zusammenhang, der auch hier von Bedeutung ist. Dieser Abschnitt beginnt mit einer Aussage über Menschen, die in man üblicherweise als sozial schwach bezeichnet. Wer so einen Menschen missachtet, sagt Jesus, für den ist es besser, das man ihm einen Mühlstein um den Hals hängt und ins Meer wirft.   Auch so ein drastisches Beispiel, an dem nun Jesus die Bedeutung auch der Menschen groß macht, die sonst keine Beachtung finden. Es kann ihm also keineswegs mangelnde Beachtung sozial schwacher Menschen vorgeworfen werden.
Unmittelbar nach unserer  Knechtsgeschichte wird uns berichtet, wie Jesus 10 Aussätzige heilt. Alle rufen aus Leibeskräften, denn sie durften sich keinem Gesunden nähern, er solle sie heil machen. Und ohne ihre Lebensbeichte gehört zu haben, oder andere Erweise ihrer Persönlichkeit vorzuzeigen, heilt er sie. Einfach so! Normal? oder auch etwas übertrieben – womit haben die das überhaupt  verdient? Einer von den 10 kehrt um, nachdem er geheilt wurde, und dankt Jesus! Einer von 10 sieht das als nicht normal, für ihn ein Grund ein paar Schritte zurück zugehen und dem zu danken, der ihn geheilt hat. Ihm sagt Jesus, dein Glaube hat dich gerettet. Jesus war hier der, der sich ganz uneigennützig um andere gekümmert hat.
Nun, bleiben wir noch etwas bei dieser mehr drastischen Geschichte mit dem Knecht. Sie wird uns hoffentlich, zumindest gedanklich noch etwas beschäftigen. Eingerahmt von der Aufwertung sozial schwacher und der Hilfe für andere, steht die Aufforderung, Gott aufrichtig zu dienen. >  Mich bewegt schon, dass es auch heute so eine Atmosphäre gibt, in der man sich Gott zurecht biegt. So eine Art Kuschlgott-Mentalität. Er muss sich so ganz meinen Vorstelllungen anpassen und wenn nicht, dann fliegt er raus. Dann spüre ich auch so eine Art Kumpel-Gott Situation. Gott der gute Kumpel, der schon mal ein Auge zudrückt,> einmal geht noch. So ein alter Kumpel, bei dem kann ich mir schon mal was leisten.
Oder, da spüre ich so eine Art Patchwork-Gott, ich puzzle mir mein Gottesbild zurecht, von jedem etwas, ein wenig Esoterik, ein bischen vom Buddhismus, im Islam gibt es auch ganz nette Aussagen,  und schon passt er sich meiner Situation an.
Oder ganz anders, da höre ich Meinungen, die sagen: Gott, ich komme auch ohne ihn gut zurecht. Evtl. mal in einer Krisensituation, aber sonst im Alltag, da lass ich mir doch nichts sagen, von dem da. Es geht so nach dem Lust und Laune Prinzip. Er muss sich ja freuen, wenn ich überhaupt noch komme.
Klar, das sind alles so Negativaussagen, die uns immer wieder begegnen, aber auch nicht weiter bringen.
Und dann sind  auch die Christen, die sich in unserer Gemeinde, echt stark einbringen. Sie haben ihren Platz in unserer Gemeinde und eine Ehrfurcht vor Gott. Die Formulierung: „Dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden“  ist Gebet und Handeln zugleich. Da bin ich immer fasziniert, wenn andere so engagiert bei der Sache sind. Das beschämt mich oft, wenn ich Christen unserer Gemeinde mit so einer Hingabe ihr Leben gestalten sehe. Nichts, was in irgendeiner Zeitung oder dem Kirchennachrichten steht. Einfach gelebter Glaube.
Doch ist es für mich schon eine Herausforderung, einmal nachzudenken.
Mit welcher Ehrfurcht begegne ich Gott? Wie ist meine Haltung in der Nachfolge? Und welchen Dank erwarte ich zusätzlich zu  dem, der mir zugesagt ist?
Mir fällt auch die Johstelle ein, wo Jesus sagt: Joh 15,15: Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Oder bei Pls finden wir:  Röm. 8, 15 Ich habe euch nicht einen knechtischen Geist gegeben, dass ihr euch fürchten müsstet, sondernihr habt den Geist Gottes empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater … sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi.“
Diese Aussagen sind uns mehr vertraut und wir hören sie wohl auch lieber.
Jesus hatte bei dem Vgl. mit dem Knecht sehr klar eine Aussage im Blick, wenn er von dieser Beziehung: Knecht und Herr redet. Nicht um ein bestimmtes Beschäftigungsverhältnis zu rechtfertigen.  sd. vielmehr den Blick auf die Einstellung unseres Herzens zu richten.  Nachfolge des Glaubens ist auch ein Dienen, um Gottes Willen.  Das klingt auf den ersten Moment nicht sehr verlockend. Und doch verändert diese Einstellung  in ihrer  Konsequenz unser Verhalten, im Miteinander, vor Gott und zu mir selbst. Dieser Moment, zuerst Gott die Ehre zu geben, ist auch für mich immer wieder eine Herausforderung. Wie gern höre ich,  dass hast du gut gemacht, und damit meinen wir uns selbst.
Das bekomme ich auch so ganz gut auf die Reihe. Und wir denken an unsere eigene Ehre.
Die Haltung des Glaubens steht in der Gefahr, oft so subjektiv, also von mir her, gedeutet zu werden. Die Aussage dieser inneren Demut,  wie ein Knecht vor Gott zu sein, bringt den Moment der Ehrfurcht zum Ausdruck.  Ohne diese Aussage des aufrichtigen Dienens wird unser Glaube schnell zu einer frommen Floskel.  Aufgeblasen, wie ein Luftballon, ohne Inhalt.
Sicher, wir sind Kinder Gottes, 100 % angenommen und geliebt. Und deshalb kann es uns Freude machen, Gott aufrichtig zu dienen.                                                        
Amen