Zur Geschichte


Das erste Kirchengebäude der alten Siedlung Thum war eine katholische Kapelle „Unserer lieben Frauen“. Sie wurde um 1300 gebaut und im Hussitenkrieg 1429 zerstört.
In die Mitte der Siedlung wurde eine neue Kirche gebaut und nach der heiligen Anna, der Schutzpatronin der Bergleute, genannt.
1539 wurde in der Stadt Thum die Reformation durchgeführt und die Kirche wurde evangelisch-lutherisch.
Ein großer Brand zerstörte 1702 24 Häuser der Stadt und die St. Annenkirche. Aber schon ein Jahr später war die Einweihung des neuen Kirchenbaues, obwohl die finanzielle Lage der Stadt sehr schlecht war. Aufnahme von ca. 1870

 
Diese Kirche wurde 1839 und 1908 renoviert.
Bei einem Bombenangriff auf die Stadt Thum am 14.Februar 1945 wurde auch die Kirche völlig zerstört.
 
In dieser schweren Nachkriegszeit begannen die Gemeindeglieder mit großer Einsatzbereitschaft ihre Kirche wieder aufzubauen. Obwohl die Versorgung von Baustoffen sehr schwierig war, ging der Kirchenneubau zügig voran. Dies war Pfarrer Schluttig, dem Kirchvorsteher Naumann und vielen freiwilligen Helfern zu verdanken. Die Leitung geschah durch den Architekten Dr. Laudeley.
Weihnachten 1948 war der erste Bauabschnitt, der Rohbau der Kirche fertig.
Weihnachten 1949 wurde die erste Christmette wieder in der Kirche gefeiert.
Am 4. Advent 1951 erfolgte die Altar/ und Orgelweihe durch den Landesbischof Hahn.
Die flämischen Leuchter, die ihm seine Festlichkeit geben, sind ein Geschenk des Leiters des Institutes für Denkmalpflege in Dresden gewesen.
Von Januar bis März 1976 erfolgte die Innenrenovierung. Die Kirchgemeinde hat alle Arbeiten durch Spenden der Gemeindeglieder selbst finanziert.
1992 erfolgte der Einbau einer Fußbodenheizung
Von 1997 – 2001 wurde eine umfangreiche Außensanierung vorgenommen.

Zum Altar
Der Altartisch ist aus Hilbersdorfer Porphyr und ein Geschenk von Herrn Paul Semmler, dem ehemaligenBesitzer des Steinbruches in Hilbersdorf. Die Symbole „Ähre“ und „Weintraube“ weisen auf das Heilige Abendmahl hin. Auf dem Altar stehen beim Abendmahl links das Brot und rechts der Wein.
Der barocke Altaraufsatz ist eine Schnitzerei aus dem Mittelalter. Aus welcher Werkstatt er stammt und wann er geschnitzt worden ist, ist uns unbekannt. Die Forschungsergebnisse der letzten Restaurierung ergeben auf Grund von Farbanalysen eine Datierung um 1690. Bis zum Jahr 1900 stand dieser Altaraufsatz in der Kirche von Thierbaum im Kreis Rochlitz. Dann lagerte er bis 1950 im Heimatmuseum in Grimma. Nachdem die Kirchgemeinde Thum den Altar erworben hatte, wurde er in Dresden im Institut für Denkmalspflege notdürftig restauriert.
Der Altaraufsatz hat vier Reliefgeschnitzte Tafeln.
Auf der untersten sehen wir einen Ausschnitt der Weihnachtsgeschichte. Einfache Menschen und Hirten knien vor der Krippe Jesu und beten. Sie hörten und begriffen die Botschaft über das Kind: „Euch ist heute der Heiland, Jesus der Christus (Gesalbte) geboren.
Auf dem zweiten Bild sehen wir Jesus mit seinen Jüngern. Sie feiern das letzte gemeinsame Mahl. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Wenn ihr nach meinem Tod zusammen seid und gemeinsam esst und trinkt, denkt daran, dass ich bei euch bin, denn das Brot ist mein Leib und der Wein ist mein Blut. Ich habe beides geopfert, damit ihr mit Gott leben könnt.“ So feiern wir noch heute dieses Mahl hier am Altartisch. Bei diesem letzten Zusammensein sagte Jesu auch: „Einer von euch wird mich für Geld verraten.“ Das war Judas, der mit dem Geldbeutel in der Hand.
Auf dem dritten Bild sehen wir die Kreuzigung Jesu. Seine Gegner haben ihr Ziel erreicht. Jesus, der die Liebe zu Gott und den Mitmenschen predigte und lebte, hängt am Kreuz zwischen zwei Verbrechern. Die Kreuzigung war die damals übliche Hinrichtung der römischen Besatzungsmacht in Israel. Die Herrschenden freuen sich, dass Jesus beseitigt ist. Unter dem Kreuz spielen die Soldaten mit Würfeln um Jesu Kleider. Links steht Maria, die Mutter Jesu. Sie trauert mit den Frauen um ihren Sohn. Im Bild oben rechts sehen wir, wie der tote Jesu in ein Felsengrab gelegt wird, so als wäre alles zu Ende.
Auf dem vierten Bild sehen wir Jesu Auferstehung.
Die Soldaten, die am Grab wachten, liegen entwaffnet vor Angst auf der Erde.
Jesus ist der Herr auch über den Tod. Alle seine Gegner haben sich geirrt.
Auf den Bildern rechts und links ist eine Geschichte aus dem Alten Testament der Bibel dargestellt.
Im 4. Buch des Mose lesen wir darüber: Das Volk wurde verdrossen und redete gegen Gott. Da sandte Gott, der Herr, feurige Schlangen unter das Volk; die bissen, dass viele starben. Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gegen Gott gesündigt. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. Da sprach Gott zu Mose: Mach dir eine eiserne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben.
Der Altaraufsatz ist von September 1978 bis August 1979 in der Fachschule für Werbung und Gestaltung, Fachrichtung Restauration, in Potsdam restauriert worden. Die Farben der Relieftafeln sind noch die Originalfarben. Sie sind gereinigt und befestigt worden. Der Rahmen ist neu bemalt worden.
Figuren über der Sakristei
Über der Tür der Sakristei sehen wir vier Figuren. Es sind die vier Apostel: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
Nach ihnen sind die vier Berichte genannt, die im Neuen Testament der Bibel stehen und über Jesu erzählen. An den Füßen sind die Symbolzeichen, die man den Evangelisten gab, Diese Symbole stehen in der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Bibel. Matthäus mit dem Engel, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier, Johannes mit dem Adler. Diese Figuren sind von einheimischen Schnitzern geschaffen worden.
Orgel
Die Orgel ist 1951 in die Kirche eingebaut worden. Früher stand sie in der Aula des Lehrerbildungsinstitutes in Rochlitz. Sie wurde von der Kirchgemeinde Thum abgekauft und von dem Rochlitzer Orgelbaumeister Schmeißer hier eingebaut.
Die Orgel hat ein Rückpositiv. Das ist die kleine Orgel im Rücken des Orgelspielers. Hauptorgel und Rückpositiv können unabhängig voneinander, aber auch gemeinsam gespielt werden. Dadurch lassen sich gute klangliche Effekte erzielen. Die Orgel hat 25 Register und 1500 Orgelpfeifen. Die beiden Engel am Rückpositiv sind von einem Gemeindemitglied geschnitzt worden.